ZUR DISKUSSION
BERUFSBILD DOKUMENTAR
Berufsbild Dokumentar - Der gegenwärtige Stand
(Autorin: Corinna Stoll)
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung *
1.1. Das vielfältige Berufsfeld "Dokumentar" *
1.2. Die Berufschancen der Dokumentare *
1.3. Ausbildungen im Informations- und Dokumentationsbereich *
1.4. Ausbildung und Kompetenzen *
II. Hauptteil: Die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche *
2. Informationsvermittlung *
2.1.1. Tätigkeiten in der Informationsrecherche *
2.1.2. Zusätzliche Tätigkeiten in der Informationsvermittlung *
2.2. Qualifikationen *
2.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Informationsvermittlung *
3. Inhaltliche und formale Erschließung von Dokumenten *
3.1. Tätigkeiten bei der formalen und inhaltlichen Erschließung *
3.2. Qualifikationen *
3.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich formale und inhaltliche Erschließung *
4. Aufbau und Pflege des Informationsbestandes *
4.1. Tätigkeiten beim Aufbau und der Pflege von Informationsbeständen *
4.2. Qualifikationen *
4.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Aufbau und Pflege von Informationsbeständen *
5. Entwurf von elektronischen Informationssystemen *
5.1. Tätigkeiten beim Entwurf/Aufbau von Informationssystemen *
5.1.1. Tätigkeiten beim Entwurf/Aufbau von Datenbanken *
5.1.2. Tätigkeiten beim Entwurf von Multimedia-Anwendungen/Web-Seiten *
5.2. Qualifikationen *
5.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Entwurf von Informationssystemen *
6. Organisations- und Managementaufgaben im IuD-Bereich *
6.1. Allgemeine Management- und Organisationsaufgaben *
6.1.2. Informationsmarketing *
6.1.3. Informationsmanagement *
6.2. Qualifikationen *
6.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Informationsmanagement *
III. Perspektiven des Berufs *
(Autor: Hans Nerlich)
7.1. Ein zukünftiges Berufsbild von Informationsfachleuten vor dem Hintergrund eines veränderten Umfelds. *
7.1. Neue Beschäftigungsbereiche *
7.2. Veränderung der Arbeitsinhalte durch neue Informationstechnik *
7.3. Ziel und Aufgabe eines zukunftsorientierten Berufsbildes *
I. Einleitung
1.1. Das vielfältige Berufsfeld "Dokumentar"
Das Berufsfeld der Dokumentare ist von einer ausgesprochenen Vielfalt gekennzeichnet:
Dokumentare arbeiten als selbständige Information-Broker, als Mediendokumentare, als
Mitarbeiter am Helpdesk von Softwareherstellern, oder in den
Inhouse-Informationsvermittlungen unterschiedlichster Industrieunternehmen. Dokumentare
sind in Museen ebenso wie in Versicherungen oder in Forschungseinrichtungen tätig. Ihre
Aufgaben bestehen je nach Qualifikation - aber auch je nach Fortune bei der
Arbeitsplatzsuche - in der inhaltlichen Erschließung unterschiedlichster Dokumente (von
der grauen Literatur bis zu audiovisuellen Medien), in der Informationsrecherche (vom
Zettelkatalog bis zur Online Datenbanken), im Entwurf und der Pflege von
Informationssystemen (von der routinemäßigen Kassation bis zur Konzeption) und im
Informationsmanagement (vom Erstellen von Statistiken bis zum Qualitätsmanagement). In
großen Einrichtungen arbeiten Dokumentare vielfach sehr spezialisiert, in kleineren
Einrichtungen - und Informationsstellen sind oft kleinere Einrichtungen - übernimmt meist
ein und derselbe Dokumentar jede dieser unterschiedlichen Aufgaben.
Diesen verschiedenen Aufgaben ist gemeinsam, daß sie alle mittelbar oder unmittelbar
dem Informationstransfer dienen, wobei Information im dokumentarischen Sinne dasjenige
faktische, intersubjektive Wissen ist, welches in einer aktuellen Problemsituation zu
deren Bewältigung benötigt wird. Auf diese Definition von Information gründet auch die
Abgrenzung des Dokumentars zu den Nachbarberufen Bibliothekar und Archivar: Während
Archivare und zumeist auch Bibliothekare verpflichtet sind, Wissen (auch subjektives) als
kulturelles Erbe den nachfolgenden Generationen zu bewahren, sie also erst vor diesem
Hintergrund ihre Informationsarbeit leisten, steht für Dokumentare der aktuelle
Informationsbedarf im Vordergrund. - Daß zur Lösung einer gegenwärtige Problemlage
durchaus auch historische Dokumente benötigt werden, läßt natürlich die Grenzen
zwischen den einzelnen Berufen changieren.
1.2. Die Berufschancen der Dokumentare
Obwohl von Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik die Zukunft Deutschlands in
der "Informationsgesellschaft" gesehen wird, führt dies aus verschiedenen
Gründen bislang nicht zu einer vermehrten Einstellung von Dokumentaren.
Grundsätzlich wird allenfalls von einer sehr verhalten positiven allgemeinen
Beschäftigungsentwicklung durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien
ausgegangen, wie die IFO-Studie10/96 "Qualitative und quantitative Auswirkungen der
Informationsgesellschaft auf die Beschäftigung" belegt. Und Dokumentare haben
zusätzlich mit besonderen Problemen zu kämpfen: Im öffentlichen Sektor gäbe es zwar
durchaus einen hohen Bedarf - allein es fehlen die Mittel - und in der freien Wirtschaft
leiden die Dokumentare darunter, daß sich der Wert ihrer Arbeit nicht unmittelbar in den
Umsatzzahlen widerspiegelt. Daß gute Informationsarbeit hilft, Qualität und Absatz eines
Produktes zu verbessern, ist immer noch nicht ausreichend in das Bewußtsein der
Unternehmensleitungen vorgedrungen. Stattdessen sind weiterhin viele IuD-Stellen von
Outsourcing und Schließung bedroht. Doch auch die technische Entwicklung gefährdet
mittlerweile die Dokumentare: Interne und externe Datenbanken werden zunehmend
komfortabler, so daß auch den Endnutzern mehr und mehr die Recherche zugetraut werden
kann und wird. Oder wie Harald Millonig formuliert: "Dem sozialen Wandel der
endnutzerorientierten Informationsgesellschaft sind die personalisierten
Vermittlungsansprüche des ABD-Milieus, wie jede andere Verwaltung auch, ein Hindernis,
welches durch die Zugriffsautomatisierung beseitigt wird."
Die beruflichen Chancen für Dokumentare steigen allerdings, wenn sie zusätzliche
arbeitsmarktrelevante Qualifikationen aufweisen können. Solche zusätzlichen relevanten
Qualifikationen sind:
- fachspezifische Kenntnisse im naturwissenschaftlich-technischen Bereich
- überdurchschnittlich gute EDV-Kenntnisse
- und sehr gute Fremdsprachenkenntnisse (hier vor allem überdurchschnittliche
Englischkenntnisse, da die meisten Fachinformationen in englischer Sprache vorliegen)
Angesichts dieser Anforderungen des Arbeitsmarktes ist es verständlich, wenn viele
Dokumentare auf die Ausbildungssituation angesprochen antworten, daß eine Ausbildung zum
Dokumentar vor allem als Zusatzausbildung sinnvoll ist.
1.3. Ausbildungen im Informations- und Dokumentationsbereich
Generell lassen sich drei Ausbildungsebenen im IuD-Bereich unterscheiden:
- Informationswissenschaftler / Wissenschaftlicher Dokumentar
Der Studiengang Informationswissenschaft wird an den Universitäten Düsseldorf,
Saarbrücken und Regensburg angeboten; an der FU Berlin läuft er zur Zeit aus. Je nach
Universität werden unterschiedliche Akzente gesetzt, doch grundsätzlich ist die
Ausbildung an den Erfordernissen der klassischen Dokumentation ausgerichtet. Anders
verhält es sich mit dem Studiengang "Internationales Informationsmanagement"
der Universität Hildesheim. Informationswissenschaft ist hier, neben angewandter
Sprachwissenschaft und Fremdsprachen, nur einer von drei Teilbereichen. Schwerpunkte
dieses Studiums sind interkulturelle und multilinguale Ansätze im Informationsmanagement.
Auch die Universität Konstanz weicht mit ihren Lehrinhalten stark von den Angeboten
anderer Universitäten ab. Der bisherige, schon stark Informatik orientierte,
Aufbaustudiengang Informationswissenschaft wurde durch die Masterstudiengänge
"Information Engineering" und "Information Science" ersetzt. Zwar
können diese Masterstudiengänge prinzipiell auch weiterhin von Studenten mit anderen
Studienabschlüssen belegt werden, doch werden relativ hohe Informatik Kenntnisse
vorausgesetzt, so dass ein vorhergehendes Bachalor Studium Information Engineering
empfohlen wird.
Die Ausbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar ist hingegen eine berufsbegleitende
postgraduale Fortbildung, die vom Institut für Information und Dokumentation (IID) in
Potsdam angeboten wird. In 13 Wochen werden dort die wichtigsten theoretischen Grundlagen
im Hinblick auf die Praxis vermittelt. Die für diese Ausbildung notwendige Berufspraxis
kann auch in einem, vom Arbeitsamt geförderten, insgesamt zweijährigen
Fortbildungslehrgang erworben werden.
- Diplom-Dokumentar / Diplom-Informationswirt
Die Ausbildung zum Diplom-Dokumentar ist an den Fachhochschulen Hannover, Stuttgart,
Köln, Darmstadt, Potsdam und Hamburg möglich. Die einzelnen Fachhochschulen bieten
verschiedene Spezialisierungsmöglichkeiten etwa zum Medien-, Wirtschafts-, oder
Chemiedokumentar an.
Generelle "Studienbestandteile sind u.a.: Informations- und Dokumentationswesen,
Medien- und Informationsbeschaffung, formale Erfassung und inhaltliche Erschließung,
Grundlagen der Datenverarbeitung, Aufbau von Datenbanken, Informationsvermittlung,
Informationsmanagement." Damit scheint dieser Studiengang, ähnlich der
Fortbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar, stärker an den Belangen der
Informationspraxis ausgerichtet zu sein.
- Dokumentationsassistent / Fachangestellter für Medien und Informationsdienste mit der
Fachrichtung Information und Dokumentation
Die Ausbildung zum Dokumentationsassistenten fand noch bis 1999 unter der Verantwortung
der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis statt. Sie
wurde abgelöst durch die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und
Informationsdienste der Fachrichtung Information und Dokumentation im dualen System nach
dem Berufsbildungsgesetz.
Die Ausbildung zum Fachangestellten hat 1998 erstmals begonnen. In Verbindung mit der
Ausbildungsdokumentationsstelle werden Kenntnisse für Dokumentationstätigkeiten
vermittelt, die weder komplexe konzeptionelle dokumentarische Fertigkeiten noch
fachwissenschaftliche Kenntnisse verlangen.
1.4. Ausbildung und Kompetenzen
Nur aus diesen drei verschiedenen Ausbildungsniveaus die Qualifikation für einzelne
Tätigkeiten im IuD-Bereich abzuleiten, ist jedoch nicht möglich. Gerade auf der obersten
Ebene des Ausbildungsniveaus divergieren nämlich zum Teil die Qualifikationen der
arbeitssuchenden Dokumentare und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. Insbesondere
wissenschaftliche Dokumentare können oft ihre fachwissenschaftlichen Kenntnisse nur zu
einem Teil in ihrer späteren dokumentarischen Tätigkeit einbringen. Zwar sind sie oft in
den begehrten "Soft-Skills" wie Kommunikationsfähigkeit und
Eigenverantwortlichkeit, sowie in der Fähigkeit strukturiert zu denken durch ihr
Universitätsstudium besonders geschult, doch werden ihre im Vergleich zum zweiten
Ausbildungslevel - dem der Diplom-Dokumentare / Informationswirte - höheren
Qualifikationen vom Arbeitsmarkt vielfach nicht im vollen Umfang genutzt und honoriert.
Vermittelt werden in den verschiedenen Ausbildungsgänge insbesondere die spezifisch
dokumentarischen Kompetenzen, die den Dokumentar in die Lage versetzen, einerseits selbst
Informationssysteme bedarfsgerecht zu konzipieren, aufzubauen und zu pflegen, andererseits
aus vorhandenen Informationssystemen relevante Informationen schnell und zuverlässig zu
ermitteln und der Nutzung zugänglich zu machen.
Erforderlich hierfür sind:
methodisch-fachliche Kompetenzen
Ein Dokumentar muß verschiedene Dokumentationssprachen, die Methoden der
Datenstrukturierung, sowie die unterschiedlichen Formen inhaltlicher und formaler
Erschließung beherrschen. Er benötigt Kenntnisse der konventionellen und elektronischen
Retrievaltechniken und muß einen guten Überblick über den Informationsmarkt haben.
technologische Kompetenzen
Ein Dokumentar muß die verschiedenen IuK-Technologien von der DFÜ bis zu den
unterschiedlichen Datenbanksystemen kennen und beurteilen können, um in der Lage zu sein,
die geeignetsten Mittel entweder für den Aufbau eigener Informationssysteme, oder für
die Informationsrecherche in externen Beständen auszuwählen. Und er sollte die
verschiedenen IuK-Technologien weitgehend selbst handhaben können, um ein
Informationssystem konzipieren, realisieren und pflegen zu können.
betriebswirtschaftliche Kompetenzen
Jeder Dokumentar muß ein generelles ökonomisches Verständnis sowie
betriebswirtschaftliche Basiskenntnisse haben. Insbesondere die Methoden des
Projektmanagements sollten ihm als grundlegende Verfahren zur Umsetzung komplexer Aufgaben
vertraut sein. Daneben benötigt er für die Vermarktung von Informationsprodukten
Kenntnisse in der Kostenrechnung, im Controlling und im Marketing. Um die Leitung einer
Informationseinrichtung selbst übernehmen zu können, muß er jedoch nicht bloß die
Regeln z.B. des Projekt- oder des Qualitätsmanagement perfekt beherrschen und Kenntnisse
über das Urheberrecht, das Wettbewerbsrecht, das Vertragsrecht und die Erfordernisse des
Datenschutzes haben, sondern vor allem etwas von Personalführung verstehen.
soziale Kompetenzen
Ein Dokumentar arbeitet vor allem kundenorientiert und muß daher ein hohes Maß an
kommunikativer Kompetenz aufweisen. Er muß kontaktfreudig, aber auch selbstbewußt im
Umgang mit Kunden sein, zudem benötigt er geistige Flexibilität, um sich schnell auf
unterschiedliche Menschen und deren verschiedensten Fragestellungen einstellen zu können.
Zusätzlich sollte er, im Recherchebereich, stressresistent unter Zeitdruck arbeiten
können. Kommunikative Kompetenz und Teamfähigkeit sind aber auch bei der Lösung
komplexer Aufgaben, wie dem Aufbau von Thesauri oder bei Tätigkeiten an der Schnittstelle
zwischen EDV-Abteilung und Endnutzern, von besonderer Relevanz.
Je nach späterem Einsatzgebiet werden noch eine Fülle weiterer Kenntnisse und
Fähigkeiten verlangt. Einige der häufiger benötigten seien hier kurz aufgeführt:
- bibliothekarische Kenntnisse, da viele Dokumentationseinrichtungen eigene
Fachbibliotheken besitzen, bzw. in Bibliotheken integriert sind
- naturwissenschaftliche, technische oder wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse, da es
in diesem Bereich einen besonders hohen Bedarf an Fachinformationen gibt
- archivarische und historische Kenntnisse, da mittlerweile gerade kleinere Archive
versuchen, ihre Bestände elektronisch zugänglich zu machen und sich in diesem Bereich
interessante Tätigkeitsfelder für Dokumentare eröffnen
- Kenntnisse in Programmiersprachen, für Dokumentare die im Bereich der
Software-Entwicklung (Multimedia-Anwendungen, Datenbankentwicklung) arbeiten
- Layout-Kenntnisse für die Gestaltung von Internet-Seiten, endnutzerorientierten
Benutzeroberflächen von Datenbanken oder Multimedia-Anwendungen
- pädagogische und didaktische Fähigkeiten, die speziell von Dokumentaren, die im
Bereich Fortbildung und Lehre tätig sind, gefordert werden
- museologische Kenntnisse für den Bereich der Museumsdokumentation
- die Fähigkeit, visuelle Eindrücke kurz und prägnant sprachlich umzusetzen im Bereich
der Film- und Fernsehdokumentation
- (medizinisch-pharmazeutische Kenntnisse im Bereich der medizinischen Dokumentation)
II. Hauptteil: Die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche
2. Informationsvermittlung
Ziel der Informationsvermittlung ist es, schnell, zuverlässig, und kostengünstig
relevante Informationen zu beschaffen und kundengerecht aufzubereiten.
2.1.1. Tätigkeiten in der Informationsrecherche
- In einem persönlichen oder telefonischen Gespräch ermittelt der Dokumentar den genauen
Informationsbedarf des Kunden.
- Je nach Komplexität der Anfrage erläutert der Dokumentar dem Kunden die
Recherchemöglichkeiten.
- Er unterbreitet externen Kunden (oder, wenn er z. B. in einem Profit-center arbeitet,
auch internen Kunden) einen Kostenvoranschlag für die Recherche.
- Er wählt die geeigneten Informationsquellen aus (Datenbanken, Fachbibliographien und
Nachschlagewerke, Internet oder ev. den Experten).
- Er bereitet die Recherche entsprechend ihrer Komplexität vor, indem er ev.
Fachwörterbücher, Thesauri, etc. als Hilfsmittel heranzieht und eine adäquate
Recherchestrategie entwickelt.
- Er führt die Recherche in geeigneten Informationsquellen durch (internen oder externen
Datenbanken, Fachbibliographien, Internet, Expertengespräch).
- Je nach Anfrage erstellt der Dokumentar SDI-Dienste
- Der Dokumentar bereitet das Rechercheergebniss dem Kundenwunsch entsprechend auf: er
selektiert relevante von irrelevanten Informationen, faßt Ergebnisse in Graphiken und
Statistiken zusammen, besorgt gegebenenfalls die Literatur über document-delivery-Dienste
oder andere Bezugsquellen.
- Der Dokumentar erstellt je nach Anfrage ein ausführliches Rechercheprotokoll und die
Rechnung.
- Abhängig vom Kundenwunsch und IuD-Einrichtung (insbes. Information-Broker) berät der
Dokumentar den Kunden aufgrund der Rechercheergebnisse.
2.1.2. Zusätzliche Tätigkeiten in der Informationsvermittlung
- Der Dokumentar erstellt Profil-Dienste, die Datenbanken nach Kriterien auswerten, die
für einen größeren Nutzerkreis relevant sind.
- Er entwickelt und betreut Mailing-Listen zur schnellen Versorgung ausgewählter Kunden
mit aktuellen Informationen
- Der Dokumentar hilft Kunden, die selbst recherchieren möchten, bei der Wahl geeigneter
Informationsquellen und Suchstrategien.
- In innerbetriebliche Informationseinrichtungen betreut er Endnutzersysteme und
unterstützt die User.
2.2. Qualifikationen
Die Informationsrecherche erfordert je nach Schwierigkeit und Komplexität der Anfrage
Qualifikationen auf folgenden Ebenen:
| wissenschaftlicher Dokumentar und Informationswirt oder
Dipl. Dokumentar mit fachlicher Spezialisierung |
- Beratung und Recherche bei wissenschaftlichen Fragestellungen
- Expertenbefragung
- umfassende Aufbereitung und Bewertung von Rechercheergebnissen
- Kundenberatung aufgrund der Rechercheergebnisse
- Beratung und Recherche bei sehr umfangreichen, komplexen Fragestellungen
- Erstellung von SDI- und Profildiensten
- Betreuung von Endnutzersystemen
- Beratung, Recherche und Aufbereitung von Rechercheergebnissen
- Beschaffung der Literatur
- Versand von Kopien und Dateien
- Erstellung der Abrechnung
- Hilfestellung bei eigenständigen Recherchen von Kunden
- Erstellung und Pflege von Mailing-Listen
|
| Informationswirt oder Dipl. Dokumentar |
| Fachangestellter für Medien und Informationsdienste / Dokumentationsassistenten |
2.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Informationsvermittlung
Gegenwärtig werden noch durchschnittlich 27% der Arbeitszeit in IuD-Einrichtungen mit
Recherchetätigkeiten verbracht. Durch die zunehmende Realisierung von Endnutzerkonzepten
und die wachsenden EDV-Anwenderkenntnisse in der Bevölkerung wird jedoch der Anteil der
Recherche in den nächsten Jahren stark zurückgehen. Aber auch in Zukunft werden komplexe
und umfangreiche Recherchen (etwa Patentrecherchen) oder Recherchen, die unter hohem
Zeitdruck stattfinden müssen (z. B. für Nachrichtenredaktionen), primär den
Spezialisten überantwortet werden.
Reine Recherchetätigkeiten sind schon jetzt meist verhältnismäßig schlecht bezahlt,
daher muß für Dokumentare der Trend zur Endnutzerrecherche nicht unbedingt nachteilig
sein. Ihr Ziel sollte es vor allem sein, den Anteil der Beratungstätigkeiten, wie den der
zusätzlichen Service-Angebote in den IuD-Einrichtungen zu erhöhen und die
Informations-Produkte zu veredeln.
3. Inhaltliche und formale Erschließung von Dokumenten
Die inhaltliche und formale Erschließung von Dokumenten ist eine methodisch
kontrollierte Weiterverarbeitung der Primärquellen und führt zum informationellen
Mehrwert: Die Zugänglichkeit der Dokumente wird verbessert, der Inhalt verdichtet,
Zugriffsgeschwindigkeit und Zugriffsgenauigkeit werden erhöht.
3.1. Tätigkeiten bei der formalen und inhaltlichen Erschließung
- Der Dokumentar wählt Informationsquellen (Publikationen aller Art, audio-visuelle
Medien, Objekte) für das Informationssystem aus, beschafft sie und achtet dabei auf ihre
Glaubwürdigkeit, Aktualität und Vollständigkeit.
- Er sichtet und selektiert die Informationsquellen.
- Der Dokumentar erschließt die Dokumentarische Bezugseinheit (DBE) formal nach
festgelegten Regeln.
- Der Dokumentar erschließt die DBE inhaltlich nach vorher festgelegten Regeln mittels
Indexat und/oder Klassifikationen und/oder Abstracts (informatives,
informativ-indikatives, Strukturreferat oder ersetzendes Referat). Er verdichtet so den
Inhalt der Informationsquelle.
- Der Dokumentar führt Qualitätskontrollen der inhaltlichen Erschließung durch, wobei
er Konsistenz und Tiefe der Indexierung prüft, Fehlerstatistiken führt und die
Treffergenauigkeit und Treffermenge (Precision und Recall) berechnet.
- Der Dokumentar entwickelt eine Dokumentationssprache, indem er entsprechendes Wortgut
auswählt, Begriffsdefinitonen hinterlegt, ev. die Begriffe strukturiert und ein
Beziehungsgefüge erstellt (Thesauri). Durch das so erhaltene kontrollierte Vokabular
erleichtert er das Indexat und die Recherche.
- Der Dokumentar pflegt die Dokumentationssprache, indem er das Indexier- bzw.
Recherchierverhalten analysiert und auf der Basis der so gewonnenen Erkenntnisse
Deskriptoren, die nicht belegt sind, streicht, Deskriptoren, die sehr oft belegt sind,
spezifiziert, die Systematik um neue Begriffsgruppen erweitert, etc.
3.2. Qualifikationen
| wissenschaftlicher Dokumentar und Informationswirt / Dipl.
Dokumentar mit fachlicher Spezialisierung |
- Auswahl der Informationsquellen
- Aufbau von Thesauri und Klassifikationen
- inhaltliche Erschließung komplexer Fachpublikationen und von Objekten mittels Abstracts;
- Aufbau- und Pflege von Schlag- und Stichwortlisten
- Pflege von Thesauri und Klassifikationen
- inhaltliche Erschließung von Publikationen und audio-visueller Medien mittels Abstracts und Indexat
- formale Erschließung,
- inhaltliche Erschließung von Publikationen und audio-visueller Medien mittels Indexat,
|
| Informationswirt / Dipl. Dokumentar |
| Fachangestellter für Medien und Informationsdienste / Dokumentationsassistenten |
3.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich formale und inhaltliche Erschließung
Die Bedeutung der inhaltlichen Erschließung in der Dokumentation wird durch den hohen
Kostendruck in IuD-Stellen und den deshalb forcierten technischen Entwicklungen abnehmen.
Der Preisverfall der elektronischen Speichermedien führt zu einer zunehmenden Verbreitung
von Volltextdatenbanken und die Verfahren zur automatischen Indexierung werden, ebenso wie
die elektronischen Retrievalverfahren, immer ausgefeilter, so daß die personal- und damit
kostenintensive intellektuelle inhaltliche Erschließung zunehmend den audio-visuellen
Medien und der Objektdokumentation vorbehalten bleiben wird. Die Bedeutung der
inhaltlichen Erschließung in diesem Bereich wird allerdings eher steigen, da es in
Rundfunkanstalten, aber auch in der Multimediaindustrie, einen wachsenden Bedarf an
kostenintensiven Film- und Fernsehproduktionen gibt. Durch die Wiederverwendung selbst
kurzer Filmsequenzen werden so hohe Kosten eingespart, daß die inhaltliche Erschließung,
durch die das Wiederauffinden geeigneter Sequenzen überhaupt erst möglich wird,
wirtschaftlich bleibt.
4. Aufbau und Pflege des Informationsbestandes
Damit eine schnelle und aktuelle Informationsversorgung kostengünstig gewährleistet
werden kann, muß ein Bestand an elektronischen aber auch konventionellen
Informationsquellen aufgebaut und gepflegt werden.
- Tätigkeiten beim Aufbau und der Pflege von Informationsbeständen
- Der Dokumentar analysiert den Bedarf an konventionellen und elektronischen
Informationsquellen mittels Statistiken und Benutzerinterviews (schriftlichen,
telefonischen, Einzel- oder Gruppeninterviews).
- Aufgrund seiner Bedarfsanalyse erstellt er eine Bestandskonzeption.
- Er schließt Verträge mit den Anbietern von Online-Datenbanken ab.
- Er schließt, je nach IuD-Einrichtung, Verträge mit Datenbasenproduzenten ab,
konvertiert Fremd-Daten und kümmert sich um deren regelmäßige Aktualisierung.
- Der Dokumentar baut einen Bestand an elektronischen (CD-ROM) und konventionellen
Informationsquellen auf (Fachzeitschriften, graue Literatur, Handbücher, Nachschlagewerke
etc.) und pflegt ihn.
- Er signiert und inventarisiert konventionelle Informationsmedien oder macht sie der
Freihandnutzung zugänglich.
- Der Dokumentar kontrolliert die Bestände und sorgt durch regelmäßige Kassation für
die Übersichtlichkeit der konventionellen und elektronischen Dokumentenbestände.
- Er wählt Hard- und Software für die IuD-Einrichtung aus, installiert und wartet sie.
- Der Dokumentar installiert und wartet (gelegentlich) kleinere Netzwerke.
4.2. Qualifikationen
| wissenschaftlicher Dokumentar Informationswirt /
Dipl. Dokumentar mit fachlicher Spezialisierung |
- Auf- und Ausbau eines Bestandes an Informationsquellen
- inhaltliche Verantwortung für den Erwerbungsetat
- Entwickeln von Benutzerinterviews
- Benutzerbefragung in Gruppengesprächen
- Analytische Auswertung von Benutzerinterviews und Statistiken
- Beschaffungsmanagement für die Informationsquellen
- Auswahl, Installation, Pflege von Hard- und Software, sowie kleinerer Netzwerke
- Durchführung von Benutzerbefragungen
- Führen und Auswerten von Statistiken
- Pflege des Bestandes an konventionellen Informationsmedien
- Signieren, Inventarisieren, Einordnen von konventionellen Informationsmedien
- Bestandskontrolle und Kassation
- Speicherungsroutinen
- Rechnungsbearbeitung
|
| Informationswirt / Dipl. Dokumentar |
| Fachangestellter für Medien und Informationsdienste / Dokumentationsassistenten |
4.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Aufbau und Pflege von Informationsbeständen
Zwar werden immer mehr Informationsquellen online zur Verfügung gestellt, doch aus
Kostengründen benötigt eigentlich jede IuD-Einrichtung einen größeren Bestand an
Offline-Informationsquellen. So ist die Recherche in CD-ROM Datenbanken ungleich
günstiger, als in den entsprechenden Online-Datenbanken. Auch darf man den Anteil an
Recherchen in konventionellen Informationsquellen selbst in technisch sehr gut
ausgestatteten IuD-Einrichtungen nicht unterschätzen, denn immer noch liegen viele
Informationen nur in Printform vor. Doch auch für die nötige technische Infrastruktur
zur Online-Informationsbereitstellung sind oft jetzt schon Dokumentare zuständig, denen
hierbei eine weitere Vertiefung ihrer technologischen Kompetenzen zugute kommen könnte.
Grundsätzlich werden der Aufbau und die Pflege des Informationsbestandes auch weiterhin
einen wichtigen Bestandteil der dokumentarischen Tätigkeiten bilden.
5. Entwurf von elektronischen Informationssystemen
Informationssysteme können Datenbanken, Intra- und Internetseiten oder
MultimediaAnwendungen, aber auch konventionelle Informationsmittel wie Zettelkataloge,
Current Contents, Referatedienste, etc. sein. Die verschiedenen Formen von
Informationssystemen haben spezifische Vorzüge und Nachteile, so daß es gilt, in der
jeweiligen Situation das geeignetste Informationssystem auszuwählen, um eine optimale,
aber auch kostengünstige, Informationsversorgung sicherzustellen.
Während der Entwurf von konventionellen Informationsdiensten primär hervorragende
fachspezifische Kenntnisse verlangt, ist der komplette Entwurf elektronischer
Informationssysteme wie Datenbanken, Intra- und Internetseiten oder Multimedia-Anwendungen
eine sehr anspruchsvolle dokumentarische Aufgabe, zu der sehr viele organisatorische
Tätigkeiten gehören, die auch in den Bereich des Informationsmanagements fallen (vgl.
Kap. 6).
5.1. Tätigkeiten beim Entwurf/Aufbau von Informationssystemen
- Der Dokumentar führt eine Informationsbedarfsanalyse durch und entscheidet auf deren
Basis welches Informationssystem (Datenbank, Zettelkatalog, etc.) für den
Informationsbedarf geeignet ist.
5.1.1. Tätigkeiten beim Entwurf/Aufbau von Datenbanken
- Der Dokumentar erstellt in einem konzeptuellen Entwurf eine Modellwelt, die
widerspiegelt, wer wofür welche Informationen braucht.
- Er strukturiert die Daten, indem er die dokumentarische Bezugseinheit festlegt und ihre
Merkmale und Kategorien ermittelt.
- Der Dokumentar überführt den konzeptuellen Entwurf in einen logischen Entwurf und
entscheidet sich für ein geeignetes Datenbanksystem unter der Berücksichtigung von
Funktion und Leistung, Systemaufbau, Bedienung und Nutzerfreundlichkeit, Kundenservice,
Preis, etc.
- Er erarbeitet den physischen Entwurf unter Ausnutzung der spezifischen Möglichkeiten
von Soft- und Hardware, indem er die physische Datenstruktur, Zugriffspfade, Speicher,
etc. festlegt.
- Außerdem legt er, wiederum unter Ausnutzung der spezifischen Möglichkeiten von Soft-
und Hardware, die Eingabemasken, Suchmöglichkeiten und Ausgabeformate fest.
- Er führt die Implementierung des logischen und des physischen Entwurfes in der
Zielumgebung durch.
- Der Dokumentar testet, verbessert und wartet die Datenbank.
- Er verfaßt die Entwicklungsdokumentation, welche die Analysen, die Zielsetzung und die
Planungsschritte, die Entscheidungen und deren Alternativen, etc. umfaßt.
- Der Dokumentar schreibt die Anwenderdokumentation, welche über Zweck, Thema,
Zielgruppe, Hilfsmittel etc. informiert
5.1.2. Tätigkeiten beim Entwurf von Multimedia-Anwendungen/Web-Seiten
Sowohl Multimedia-Anwendungen als auch Web-Seiten sind flexibilisierte
Informationssysteme, die auf Hypertextstrukturen basieren. Die dokumentarischen
Tätigkeiten beim Entwurf und Aufbau dieser Systeme gleichen sich daher weitgehend.
- Aufgrund einer Informationsbedarfsanalyse definiert der Dokumentar die genauen Ziele
(Kundenwünsche, Zielgruppe, etc.).
- Der Dokumentar entwickelt zunächst ein grob strukturiertes Drehbuch /Storyboard.
- Er recherchiert nach geeigneten Informationsmaterialien (Texte, Bilder, Videosequenzen,
Tonaufnahmen) und besorgt diese unter Beachtung von Urheberrechtsfragen
- Der Dokumentar verfeinert im Wechselspiel mit Recherche/Beschaffung von
Informationsmaterialien zunehmend das Drehbuch und konzipiert mittels graphischer Modelle
die Vernetzung der Informationseinheiten.
- Der Dokumentar entwirft Metainformationssysteme, um die Orientierung im Hypertext zu
gewährleisten.
- Er digitalisiert Bilder und Töne und strukturiert sprachliche Informationen zu kohäsiv
geschlossenen Einheiten.
- Er entscheidet sich für einen geeigneten HTML-Editor oder ein Multimedia-Autorensystem
unter der Berücksichtigung von Funktion und Leistung, Preis, Bedienung und
Nutzerfreundlichkeit, etc.
- Der Dokumentar programmiert die HTML-Seiten bzw. das Multimedia-Autorensystem und führt
Testläufe durch.
- Der Dokumentar schreibt gegebenenfalls eine Entwickler- und eine Anwenderdokumentation.
5.2. Qualifikationen
| wissenschaftlicher Dokumentar, Informationswirt / Dipl. Dokumentar |
- konzeptioneller Entwurf von Datenbanken
- logischer Entwurf von Datenbanken
- physischer Entwurf von Datenbanken
- Systementscheidung
- ev. Implementierung
- Verfassen von Anwender- und Entwicklungsdokumentationen
- Verfassen der Regelwerke für formale und inhaltliche Erschließung
- Zieldefinitionen
- Entwicklung des Drehbuchs/Storyboards und der graphischen Modelle für das vernetzte
Informationssystem
- Entwurf des Metainformationssystems
- Auswahl von Informationsmaterialien
- ev. Programmierung
- Recherche / Beschaffung von Informationsmaterialien
- Digitalisierung von Bildern und Tönen
|
| Fachangestellter für Medien und Informationsdienste /
Dokumentationsassistenten |
5.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Entwurf von Informationssystemen
Hier soll nicht der Eindruck erweckt werden, die meisten Dokumentare wären den
größten Teil ihrer Arbeitszeit mit dem Entwurf elektronischer Informationssysteme
beschäftigt. Während kleinere, einfachere Datenbanken oder etwa Web-Seiten von vielen
Dokumentaren eher nebenher entworfen und aufgebaut werden, arbeiten bislang nur wenige
Dokumentare vorrangig an der Konzeption von komplexeren Datenbanken oder gar
Multimedia-Anwendungen. Und wenn, dann oft auch nur im Rahmen einmaliger Projekte und
/oder mit Unterstützung einer EDV-Abteilung. Doch insbesondere in kleineren, bislang
konventionell geführten Einrichtungen werde Dokumentare mit dem Entwurf und der
Realisation auch komplexerer elektronischer Informationssysteme betraut. Dokumentare mit
überdurchschnittlichen EDV-Kenntnissen haben daher überdurchnittlich gute Chancen auf
dem Arbeitsmarkt.
Generell sind Dokumentare auf Grund ihrer Ausbildung dazu prädestiniert, zumindest die
Konzeption von elektronischen Informationssystemen zu übernehmen, denn sie beherrschen
die Methoden der Datenstrukturierung, der Modellbildung und kennen die
Nutzeranforderungen.
Besonders in der Multimedia-Branche könnten sich daher neue Berufschancen für
Dokumentare ergeben. Viele Bereiche der Multimedia-Produktion verlangen dokumentarische
Kernkompetenzen wie Informationsbeschaffung und -bewertung, sinnvolle Strukturierung und
die nutzergerechet Aufbereitung der Materialien. Jedoch arbeiten bislang in diesem
Bereich, trotz der hohen Wachstumsprognosen, überwiegend kleine und kleinste Firmen. Die
Budgets für die Produktionen sind oft knapp bemessen, der Anteil an freien Mitarbeitern
ist hoch und die (Informations-) Materialien werden zumeist von den Kunden gestellt, so
daß die Recherche nach Fremd-Materialien - und damit die teure Beschaffung der Rechte -
weitgehend entfällt. Werden neue Mitarbeiter gesucht, wird bislang mehr Wert auf hohe
Flexibilität, Teamfähigkeit, gute Englischkenntnisse, Praxis- und Projekterfahrung, als
auf eine bestimmte Berufsausbildung gelegt.
Damit sich Dokumentaren jenseits des klassischen IuD-Bereichs weitere Berufsfelder, in
der Multimedia-Produktion oder anderswo, eröffnen, müßte allerdings die Werbung /
Öffentlichkeitsarbeit für den immer noch zu unbekannten Beruf des Dokumentars
intensiviert werden.
6. Organisations- und Managementaufgaben im IuD-Bereich
Im IuD-Bereich gibt es eine Vielzahl verschiedener Planungs-, Steuerungs-, und
Kontrollaufgaben, die besonders vor dem Hintergrund des zunehmenden Kostendrucks in
IuD-Einrichtungen stetig an Bedeutung gewinnen. Je nach Größe, Struktur und
Organisationsform werden in IuD-Einrichtungen in unterschiedlichem Umfang die
verschiedenen Methoden des modernen betriebswirtschaftlichen Managements wie Controlling,
Qualitätsmanagement, Projektmanagement, etc. angewandt, um effizientere und effektivere
Informationsarbeit leisten zu können. Diese Managementmethoden mit ihren jeweiligen
Analyseansätzen genauer darzustellen, würde jedoch den Rahmen eines allgemeinen
Berufsbildes für Dokumentare sprengen. Hier können nur, als drei wichtige Bereiche, die
allgemeinen Organisationsaufgaben, das Informationsmarketing und das
Informationsmanagement skizziert werden. Auf die detaillierte Aufführung der dabei
anfallenden Tätigkeiten wird verzichtet, denn diese sind zu sehr von den konkreten
Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung abhängig.
6.1. Allgemeine Management- und Organisationsaufgaben
- Analyse des internen und externen Informationsangebotes
- Analyse der internen und externen Informationsressourcen
- Analyse des Informationsbedarfs interner und externer Nutzer, Nutzerforschung
- Planung, Steuerung und Kontrolle der Produktion und Distribution von
Informationsprodukten und Informationsdienstleistungen
- Kontrolle der Effizienz und Qualität von Informationsdienstleistungen
- Planung und Organisation der Arbeitsmittel und Verfahren
- Termin- und Projektplanung
- Planung und Organisation der Personalmittel
- Planung und Organisation der Sachmittel
- Kostenrechnung / Budgetierung / Haushaltsplanung
- Planung und Organisation der Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern
6.1.2. Informationsmarketing
Ziel des Informationsmarketing ist es generell, über eine nutzeradäquate
Leistungsgestaltung und eine wirkungsvolle Distributions-, Promotions- und Preispolitik
eine bedarfsgerechte Versorgung mit Informationsdienstleistungen und -produkten zu
erreichen. Es spielt sicher in IuD-Einrichtungen, die primär externe Kunden haben, eine
größere Rolle als in innerbetrieblichen Informationseinrichtungen, die in erster Linie
für interne Kunden arbeiten. Angesichts des Rationalisierungsdrucks, unter dem jedoch
viele innerbetriebliche Informationsvermittlungsstellen stehen, sind aber auch hier
Marketingkonzeptionen nicht überflüssig, wenngleich sicher nicht alle
Marketinginstrumente gleichermaßen eingesetzt werden können.
Aufgaben, die in diesem Bereich vielfach von Dokumentaren übernommen werden, sind:
- Der Dokumentar analysiert die exogenen und endogenen Faktoren des Marktes (z. B. die
Konjunkturlage, die Branchenentwicklung, aber auch das Image des Unternehmens und der
Produkte, etc.).
- Er setzt davon ausgehend fest, welche qualitativen und quantitativen Ziele erreicht
werden sollen und bestimmt, welche Marketinginstrumente (Produkt-, Distributions-,
Preispolitik, PR) eingesetzt werden.
- Der Dokumentar entscheidet über die Produktpolitik, also über Produkterweiterung,
Produktmodifikation, etc.
- Er fällt im Rahmen der Distributionspolitik Entscheidungen über die Vertriebsweg und
die Angebote im Kundenservice.
- Der Dokumentar gestaltet die Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und die Kundenbetreuung
für die Informationsdienstleistungen und -produkte.
- Er legt die Preisgestaltung, Preisdifferenzierung und die Vertragsgestaltung fest.
- Er kontrolliert, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden und modifiziert
gegebenenfalls die Maßnahmen.
6.1.3. Informationsmanagement
Das Informationsmanagement im eigentlichen Sinne ist die zielgerichtete und
ökonomische Bewirtschaftung des Produktionsfaktors Information in Organisationen. Es ist
also nicht nur auf IuD-Einrichtungen begrenzt, sondern kann prinzipiell in jedem Betrieb
angewandt werden. Grundsätzliche Aufgaben des Informationsmanagements sind:
- Analyse der Wirkung von Informationen und Informationstechnologien auf die einzelnen
Geschäftsbereiche des Unternehmens, ebenso wie auf die Branche, die Kundenbeziehungen,
etc. Auf der Basis der so gewonnen Erkenntnisse entwickelt er eine Informationsstrategie.
- Förderung der Informationsbereitschaft durch Aufbau einer informationsorientierten
Unternehmenskultur und einer informationsflussorientierten Unternehmensorganisation. Er
sorgt zudem für den Abbau von institutionellen und persönlichen Informationsbarrieren
(etwa durch Einbindung von Mitarbeitern in Planung/Realisierung, Schulung und
Weiterbildung der Mitarbeiter).
- Steigerung des Informationspotentials durch Beschaffung/Bereitstellung von Informationen
aus internen und externen Informationsquellen und erarbeitet eine Informationslogistik und
eine Informationssystematik.
- Erhöhung der Informationsfähigkeit sowohl durch die Planung, Organisation,
Beschaffung, Aufbau und Koordination der informationstechnischen Infrastruktur, als auch
durch die Schulung und Betreuung der Endnutzer.
6.2. Qualifikationen
Die Leitung einer großen IuD-Einrichtung verlangt ausgezeichnete fachliche
Qualifikationen, die nicht allein in der Ausbildung, sondern vor allem in der Berufspraxis
erworben werden müssen. Weiterhin sind sehr gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse
vonnöten, die nur durch zusätzliche Fortbildungen erworben werden können. Das bedeutet
aber nicht, daß gehobene Grundkenntnisse im Organisations- und Managementbereich nicht
von allen Dokumentaren gefordert wird. Gerade in den vielen kleinen und mittleren
IuD-Einrichtungen - 52% der Einrichtungen haben nicht mehr als fünf Beschäftigte -
übernehmen die Mitarbeiter ein hohes Maß an Verantwortung sowohl für einzelne
Teilaufgaben, als auch für die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung insgesamt.
6.3. Entwicklungen im Tätigkeitsbereich Informationsmanagement
Mit dem steigenden Kostendruck in den IuD-Einrichtungen gewinnen moderne
Managementansätze im IuD-Bereich an Bedeutung. Relevant für ihren Erfolg sind nicht nur
die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse der Leitung einer IuD-Einrichtung, sondern vor
allem die Motivation der Mitarbeiter sowie die Unterstützung durch die Führungsebene des
Unternehmens. Nur wenn alle Beteiligten die genauen Zielsetzungen, die geplanten
Umsetzungsstrategien und die Erfolgs- bzw. Leistungsindikatoren kennen und akzeptieren,
lassen sich diese Methoden sinnvoll einsetzen. Vorausgesetzt werden also informierte,
eigenständige und lernbereite Mitarbeiter, die kundenorientiert arbeiten. Gewährleistet
werden kann dies, einerseits durch eine entsprechende innerbetriebliche
Informationspolitik, andererseits durch die Vermittlung betriebswirtschaftlicher
Kenntnisse innerhalb der Ausbildung.
Allerdings können auch die raffiniertesten betriebswirtschaftlichen Methoden nicht das
grundsätzliche Manko des immateriellen Produktionsfaktors "Information"
beheben: Der Wert einer Information läßt sich nicht absolut ermitteln, er ist abhängig
von ihrem Zeitpunkt, den konkreten Umständen und dem Rezipienten. Entsprechend wird der
Arbeitsaufwand, der mit der Informationsarbeit verbunden ist, auch in absehbarer Zukunft
nicht angemessen entgolten werden. So wird es weiterhin für viele IuD-Einrichtungen ein
kaum zu erreichendes Ziel sein, wenigstens kostendeckend zu arbeiten.
Doch könnte sich, mit steigender betriebswirtschaftlicher Kompetenz, für Dokumentare
ein weiteres Arbeitsgebiet im Bereich des Informationsmanagements eröffnen. Dokumentare
werden zwar nur in Ausnahmefällen in der Leitung großer Unternehmen als
Informationsmanager arbeiten, dieses Feld ist längst von Wirtschaftsinformatikern mit
ihren ungleich höheren EDV- und betriebswirtschaftlichen Qualifikationen besetzt, doch in
kleineren und mittleren Betrieben kann sich aufgrund der Schnittstellenkompetenz von
Dokumentaren durchaus die eine oder andere Chance ergeben.
III. Perspektiven des Berufs
(Hans Nerlich)
7.1. Ein zukünftiges Berufsbild von Informationsfachleuten vor dem Hintergrund eines veränderten Umfelds.
Die aktuelle berufliche und arbeitsmarktspezifische Situation von Dokumentaren und
Informationsvermittlern - die wir im weiteren Informationsfachleute nennen - ist von zwei
Entwicklungstendenzen gekennzeichnet, die teilweise gegenläufige Auswirkungen haben.
Diese Entwicklungstendenzen geben den Rahmen für ein zukunftsorientiertes
Qualifikationsprofil, oder das Berufsbild.
Einerseits ist dies die Entwicklung der Informationsgesellschaft, in der Information in
wachsendem Maß zum bestimmenden Wirtschafts- und Produktionsfaktor, Voraussetzung von
Innovation in einer dynamischen Ökonomie und immer mehr selbst zum Produkt wird. Dieser
Prozeß ist gekennzeichnet von der rasanten Entwicklung der Informations- und
Kommunikationstechnologie, der Verknüpfung weltweiter Informations- und Datennetze und
dem damit einhergehenden Anschwellen der Informationsflut. Immer mehr ökonomische und
gesellschaftliche Bereiche werden erfaßt und durchdrungen und wir können diese
Entwicklungstendenzen mit den Begriffen Vernetzung und Globalisierung
beschreiben. Im Zuge dieser Entwicklung wächst der Bedarf an Fachkräften, die diese
Informationen erschließen, strukturieren und vermitteln.
Andererseits gehen die Beschäftigungszahlen in den traditionellen Bereichen der
IuD-Fachleute zurück: in den IuD-Abteilungen der Industrie und in den großen
Medienarchiven (Print, Hörfunk- und Fernseharchive). Daneben sind insbesondere noch
Datenbankanbieter und die Anbieter von Informationsdienstleistungen als
Beschäftigungsbereiche zu nennen. Letztere dürften noch Wachstumszahlen zeigen, diese
Arbeitsmarktentwicklung müßte aber genauer untersucht und statistisch belegt werden.
Aus den beschriebenen Entwicklungstendenzen ergeben sich verschiedene Auswirkungen
(Umstände) für die aktuelle Arbeitsmarktsituation der Informationsfachleute:
- die zentralen Kompetenzen und Qualifikationen der Informationsfachleute - das Erschließen
und das Vermitteln von Informationen - sind überwiegend nur in den traditionellen
Beschäftigungsbereichen bekannt, aber kaum außerhalb dieser Bereiche,
- neue Beschäftigungsbereiche sind weniger konzentriert als die traditionellen und
dadurch schwieriger zu identifizieren. D.h. Informationsfachleute werden in zunehmendem
Maße in den unterschiedlichsten Wirtschaftssektoren und gesellschaftlichen Bereichen
benötigt. Es werden aber vermutlich eher Einzelarbeitsplätze oder kleine Arbeitsgruppen
und Abteilungen von Informationsfachleuten sein, wodurch eine eindeutige und umfassende
Darstellung der Beschäftigungsfelder schwierig wird. Auch eine Profilierung als
gemeinsame Berufsgruppe und eine damit verbundene berufsständische Arbeit dürfte
komplizierter werden.
Ausgangspunkt für die Entwicklung eines zukünftigen Berufsbildes sind aber einerseits
die Arbeitsinhalte von Informationsfachleuten, für die ein Bedarf in der
Informationsgesellschaft besteht und andererseits die Bereiche, in denen diese Kompetenzen
zum Einsatz und zum Tragen kommen. Diese potentiellen Beschäftigungsbereiche
müssen identifiziert und benannt werden um aus ihnen neue und/oder zusätzliche
Qualifikationskomponenten, die ein zukünftiges Berufsbild ergänzen, festzustellen. Erst
wenn dies geleistet wurde, kann in diesen neuen Beschäftigungsfeldern für unseren
Berufsstand geworben werden.
7.1. Neue Beschäftigungsbereiche
Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie einerseits und der
Informations- und Dienstleistungsgesellschaft andererseits verändern die Berufslandschaft
umfassend und wirken insbesondere auf die Informationsberufe. Diese Entwicklung birgt
Chancen, indem immer mehr wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche zu potentiellen
Arbeitsfeldern von Informationsfachleuten werden, d.h. der Arbeitsmarkt wächst.
Allerdings geht dies einher mit der tendenziellen Auflösung traditioneller Abgrenzungen
zu anderen, entweder benachbarter oder ursprünglich ganz anders zugeordneter Berufe -
mehrere Berufsgruppen drängen in die neuen Beschäftigungsbereiche Multimediaindustrie,
Mediendesign, Kulturindustrie.
Ökonomie wird allgemein durch eine "industrielle Brille" gesehen. Die
Informationsgesellschaft ist aber vor allem eine Dienstleistungsgesellschaft, in der
informationsintensive Bereiche überproportional wachsen. Zu nennen sind hier vor allem:
- Unternehmensberatung
- Marktforschung
- Marketing
- Werbung/PR
- interne und externe Unternehmenspräsentation (Intranet und Web)
- elektronische Dienstleistungen und e-commerce
- Finanzinformationen (Analysten)
- Rechtsberatung und -beistand
- Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft (Transferzentren)
- Kulturinformationen (Museen, Ausstellungen usw.)
- Bildungsinformationen (z.B. Volkshochschulen).
Grundsätzlich gilt bereits heute für alle Informationsberufe, daß die
bestandsorientierte Arbeit abnimmt zugunsten einer produktorientierten Arbeit. Die
Begriffskette Information-Beratung-Bildung -> Innovation kennzeichnet die oben
genannten Bereiche in besonderem Maß und betont den Aspekt der Kommunikation in diesem
Zusammenhang. Daraus folgt, daß neben die klassischen Kompetenzen der
Informationsstrukturierung und Aufbereitung für eine rationelle und effiziente
Speicherung immer stärker die Informationsveredlung und kommunikative Kompetenzen
hinzutreten. Informationsfachleute werden in Zukunft vermehrt:
- redaktionell arbeiten
- verlegerisch tätig sein
- Informationen attraktiv und kundengerecht gestalten (Grafik / Layout).
Man erkennt diese Tendenzen z.B. daran, daß in verschiedenen Medien die strikte
Trennung zwischen Redaktion und Dokumentation aufgehoben wurde.
Neben diesen kommunikativen Kompetenzen, die unmittelbar die traditionellen
Arbeitsinhalte erweitern, treten die kommunikativen Kompetenzen im Sinne des
Dienstleistungsgedankens und der Kundenorientierung; d.h. einem offensiven Anbieten von
Informationsprodukten und Dienstleistungen an interne und externe Kunden.
7.2. Veränderung der Arbeitsinhalte durch neue Informationstechnik
Neben den beschriebenen ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen werden die
Arbeitsinhalte von Informationsfachleuten im Sinne von Content-Providern vor allem durch
die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie einschneidend und umfassen
beeinflußt. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten, aber auch Anforderungen, an die Erschließung
von Information, zu der wir - anders als in der vorhergehenden Tätigkeit des
"klassischen Berufsbilds" - auch die Recherche und Beschaffung rechnen sowie der
Bearbeitung und Vermittlung von Informationen. Dokumentenlieferung und
Dokumentenmanagement gehören zu oder ergänzen diese beiden Kernkompetenzen von
Informationsfachleuten. In allen Arbeitsfeldern werden von der Informatik Anwendungen
entwickelt, die im Zusammenhang mit Rationalisierungsprozessen, aber auch der Erweiterung
des Dienstleistungsspektrums stehen. Bereits im Bereich der Informationsressourcen ist mit
den globalen Computernetzwerken zu den Archiven, Bibliotheken und Datenbanken eine neue
und rasant wachsende Quelle hinzugekommen.
Durch die großen Rechner- und Speicherkapazitäten haben automatische
Indexierungssysteme einen Qualitätsstandard erreicht, der für viele Anwendungen in der
Praxis völlig ausreichend und vor allem kostengünstig ist. Datenbanken werden in
zunehmendem Maß Volltextdatenbanken, aus denen eine unmittelbare Dokumentenlieferung
möglich ist, Lieferanten und Kunden sind zunehmend elektronisch verbunden und können
sofort kommunizieren und Produkte austauschen.
Zur Zeit folgen Informationsfachleute eher dem Entwicklungsdruck aus der Informatik als
daß sie diesen selbst erzeugt. Man muß davon ausgehen, daß die Informatik auch in der
Erschließung und Vermittlung von Information immer stärker in den Bereich der
Informationsfachleute hineindrängt. Das liegt sicher daran, daß Informatiker die
technischen Systeme besser beherrschen und dadurch deren Anwendungspotential früher
erkennen. Demgegenüber kann sich ein Informationsvermittler bestenfalls durch die
Kenntnis der Fachinhalte behaupten, sollte sich aber um möglichst umfangreiche
Informationstechnische Kenntnisse bemühen.
7.3. Ziel und Aufgabe eines zukunftsorientierten Berufsbildes
Zunächst liegen diese darin, ein Qualifikationsprofil des Berufsstandes zu
identifizieren, das sich an dem Bedarf zukünftiger Beschäftigungsbereiche orientiert.
Dieses Qualifikationsprofil muß an den Berufsstand vermittelt werden, daraus müssen
insbesondere Konsequenzen für den Aus- und Weiterbildungssektor gezogen werden. In den
Ausbildungsinstitutionen, insbesondere in den Fachhochschulen geschieht dies bereits
umfassend, allerdings nur institutsbezogen und von daher nicht unbedingt bundesweit in
gleicher Intensität und Tempo.
Im Weiterbildungssektor gibt es eine Vielzahl an Angeboten öffentlicher,
halböffentlicher und privater Weiterbildungsinstitute, die aber alle lediglich
Teilkomponenten moderner Erschließungs- und Vermittlungsmethoden und -techniken anbieten.
1. Die Botschaft an den Berufsstand der Informationsvermittler muß also beinhalten:
- Euer zukünftiges Berufsbild muß die o.g. Komponenten enthalten
- In den o.g. Bereichen liegen die zukünftigen Beschäftigungsfelder.
2. Dieses zukunftsorientierte Berufsbild muß vor allem auch nach außen transportiert
werden, insbesondere in die Bereiche, die Bedarf an Informationen und an
Informationsstrukturierung haben.