5 Fazit und Ausblick
Wohin geht die Reise?
Die Informationsgesellschaft wird sich künftig nicht mehr in den üblichen regionalen und nationalen Rahmen fassen lassen. Vielmehr ist eine globale Sichtweise schon deshalb angezeigt, weil die Netzwerke international sind und sich im Bereich global verknüpfter Marktwirtschaften entwickeln. An die Stelle der früher notwendigen physischen oder zumindest topographischen Einheit im Produktionsprozeß ist nun eine Organisation von Netzwerken getreten, die Wissen vermittelt. Vielleicht ist dies der Einstieg in das Zeitalter "der intensiven Zeit" (Paul Virilio), in dem die Telekommunikation Formen des physischen Transports von einem zum anderen Ort ablöst.
Information - nur eine Ware am Markt?
Der Wandel der Produktionsgesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft und ihr Weg zur vernetzten Telekommunikationsgesellschaft bedeutet eine Herausforderung an die Politik. Die Veränderungen wurden bislang nicht ausreichend analysiert und bewertet, und Information wurde fast ausschließlich als Wirtschaftsgut und Standortfaktor betrachtet. Information ist aber auch Teil der Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Nicht zuletzt sind in den Betrachtungen über die Bedeutung von Information auch rechtliche, ethische, pädagogische und didaktische Fragen zu berücksichtigen: Nach wie vor gilt das Grundgebot der Autorität über die Bestände (dies bedeutet zugleich urheberrechtliche Verantwortung und das Recht zur Verwertung) sowie der Legitimität. Sie sind Bestandteile in einem marktorientierten globalen System von Anbietern und Nutzern. Auf diesem Informationsmarkt werden auch die Nutzungsrechte und ggf. Nutzungsentgelte neu zu bestimmen sein. Die für die Fragen zuständigen Stellen sind in ihrer politischen Verantwortung gefordert; die DGD stellt sich ihnen gern beratend zur Verfügung.
Perspektiven für die DGD und ihre Mitglieder
Die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation als Fachverband für Informations- und Dokumentationsfragen wird sich in Zusammenarbeit mit Nachbarverbänden sowie Wissenschaftlern der entsprechenden Fachrichtungen der Umsetzung ihrer Aufgaben annehmen. Sie hat Erfordernisse und Defizite, Strukturfragen und Perspektiven für die Zukunft sowie konkrete Empfehlungen zur Umsetzung in diesem Positionspapier zusammengestellt.
Auch im nächsten Jahrtausend werden Information und Nachricht - also die Übermittlung von Inhalten - Ziel und Zweck der Kommunikation sein, unabhängig davon, ob dies im wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen oder unterhaltenden Verständnis gesehen wird. Stets ist diese Kommunikation Teil des Beziehungsgeflechts zwischen Sender und Empfänger: es werden intellektuelle und professionelle Fähigkeiten benötigt, um eine hohe Qualität bei der Vermittlung von Informationen zu gewährleisten. So bedeutet der Wandel zur Informationsgesellschaft, zur Wissensgesellschaft oder, was wenig erwähnt wird, zur Bildungsgesellschaft, eine stetige Veränderung von Tätigkeitsmerkmalen und Berufsfeldern von Dokumentaren und informationsvermittelnden Berufen und der an sie gestellten Anforderungen.